Nuklearmedizin

Die Nuklearmedizin ist ein seit vielen Jahren bekanntes und bewährtes medizinisches Verfahren, mit einem breiten Spektrum an Untersuchungsmöglichkeiten. Sie beschäftigt sich mit schwach radioaktiven Stoffen, die zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken meist in Form einer intravenösen Spritze verabreicht werden. Je nach Art und Substanz können gezielte krankhafte Veränderungen von Geweben, Organen und Organsystemen im menschlichen Körper dargestellt werden.

Bei den Ihnen bekannten Röntgenaufnahmen wird die Strahlung vom Gerät durch den Körper geschickt und dahinter aufgenommen. In der Nuklearmedizin hingegen ist es umgekehrt. Hier sendet die injizierte Substanz die Strahlung aus dem Körper zum Gerät, das wie eine Kamera funktioniert. Die Verteilung der Strahlung wird in Bilder umgesetzt.

Die in der Nuklearmedizin benutzten Substanzen werden meist intravenös (in die Vene) gespritzt und nehmen an der Stoffwechselaktivität von Geweben bzw. Organen teil, ohne diese zu schädigen. So lassen sich Erkrankungen oder Funktionsstörungen von Geweben und Organen feststellen, d. h. die Organe werden durch diese strahlenaktive Substanz überlistet und offenbaren sich uns.

Zur Erklärung der Untersuchungsmethoden werden im Folgenden einige aufgeführt:

Schilddrüsen-Szintigraphie

Die Schilddrüsenszintigraphie ermöglicht uns einen Einblick in den Stoffwechselprozess der Schilddrüse. Sie zeigt uns z. B. umschriebene Bezirke mit vermehrter oder verminderter Aktivität, die als „heiße“ oder „kalte“ Knoten bezeichnet werden. Eine Über- oder Unterfunktion kann teilweise unterschieden werden.

Einsatzgebiete:

Schilddrüsen-Vergrößerung
„heiße“ oder „kalte“ Knoten
Prüfung der Schilddrüsenfunktion
Nachweis von Restgewebe nach einer Schilddrüsen OP
SC-Autoimmun-Erkrankungen bei SD-Antikörper-Entwicklung

Untersuchungsablauf:

Die Untersuchung weist nur eine sehr geringe Strahlenbelastung auf, vergleichbar etwa einer Röntgenaufnahme der Lunge, dennoch vermeiden wie sie nach Möglichkeit bei Schwangeren und stillenden Frauen, sowie bei Jugendlichen. Meistens nach der Blutentnahme wird eine geringe Menge einer jodähnlichen, schwach radioaktiven Substanz (Technetium) gespritzt, die von der Schilddrüse vorübergehend aufgenommen wird. Die Untersuchung geschieht im Sitzen vor der Kamera und dauert 5 Minuten. Es wird ein Bild von der Schilddrüse aufgezeichnet, dass Aufschluss über die Funktion des Organs und insbesondere vorliegender Knoten gibt.

Mit dem Begriff „heiße“ Knoten bezeichnet man Anteile der Schilddrüse, die hyperaktiv, teilweise selbstständig arbeiten, unbeeinflusst von der Stoffwechsellage der Schilddrüse. Diese Knoten führen meistens zu einer Überfunktion, sind in der Regel ungefährlich und nicht bösartig. „Kalte“ Knoten hingegen sind inaktive Areale, die keine Schilddrüsenfunktion haben. Dahinter kann sich manchmal eine Bösartigkeit verbergen. Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse wird meistens nicht beobachtet.

Zur Beurteilung der Schilddrüsensituation gehört die Ultraschalluntersuchung. Während die Schilddrüsen-Szintigraphie Auskunft gibt über die Schilddrüsenfunktion, liefert die Ultraschall-Untersuchung Erkenntnisse über Größe, Form und Knotenstruktur. Der Ultraschall dient nicht nur der exakten Größenermittlung und Erkennung von Unregelmäßigkeiten wie z. B. Knoten, sondern auch der Kontrolle der umgebenden Halsweichteile, insbesondere der zur Schilddrüse gehörigen Lymphknoten. Bei besonderen Fragestellungen können wir mit dem Ultraschall-Farbdoppler gezielt Aussagen über die Durchblutung der Schilddrüse und ihrer krankhaften Veränderung machen. Weiterhin unverzichtbar zur Basisuntersuchung gehört die Schilddrüsen-Hormonbestimmung inkl. Schilddrüsen-Antikörper wie TAK, MAK und TRAK. Dies ist notwendig, um eine Überfunktion, Unterfunktion, Autonomie, Autoimmun-Erkrankung und eine Neoplasie (Bösartigkeit) der Schilddrüse zu erkennen.

Wenn das ganze „Mosaik“ fertig zusammengesetzt ist, kann eine gut differenzierte, auf die jeweilige Schilddrüse angepaßte Beurteilung und genaue Behandlungsempfehlung erfolgen.


Knochen-(Skelett-) Szintigraphie

Hierbei wird die strahlende Substanz (Technetium) in eine Vene gespritzt und reichert sich am Knochen an. Bei der Knochenszintigraphie unterscheidet man 1-Phasen, 2-Phasen und 3-Phasen-Skelett-Szintigraphie. Bei der 2- und 3-Phasen-Szintigraphie wird im Unterschied zur 1-Phasen-Szintigraphie die Durchblutungs- und Weichteilsituation mit untersucht. So kann man entzündliche Prozesse um den Knochen feststellen. Bei der 1-Phasen-Szintigraphie wird nur die Knochenphase (Mineralisation) dargestellt.

Einsatzgebiete:
onkologische Fragestellungen bei der Suche nach Knochenmetastasen bei bösartigen Tumoren, z. B. Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs u. s. w.

- Knochentumore
- Rheuma-Erkrankung mit Gelenkbeteiligung
- Gelenkarthrosen
- Prothesenlockerung

Untersuchungsablauf:

Zunächst wird eine ausführliche Anamnese (Fragestellung, Untersuchungsgrund) erhoben. Dann wird die Aktivität (=radioaktive Substanz) in die Armvene gespritzt und bei einer 2- bzw. 3-Phasen-Szintigraphie Frühaufnahmen angefertigt. Die Aufnahme des gesamten Skeletts erfolgt nach 2,5 bis 3 Stunden. In dieser Wartezeit lagert sich die radioaktive Substanz in den Knochenstrukturen an. Während dieser Zeit muß der Patient viel Flüssigkeit (1 – 1,5l) zu sich nehmen. Dadurch erzielt man eine bessere Aktivitätsverteilung und daraus resultierend eine bessere Bildqualität. Für die Untersuchung muss der Patient nicht nüchtern sein und Medikamente müssen nicht abgesetzt werden, da diese die Untersuchung nicht beeinflussen. Die Anfertigung der Aufnahmen kann eine Stunde und mehr in Anspruch nehmen, je nachdem ob Zusatzaufnahmen angefertigt werden müssen.


Nierenclearance-Szintigraphie

Mit dieser Untersuchung kann man die Nierenfunktion untersuchen. Es können Aussagen gemacht werden, wie jede der zwei Nieren arbeitet und wie sich die Funktion auf beide Nieren verteilt. Weiterhin ist das Ausmaß einer Nierenfunktionsstörung oder eines Nierengewebeschadens beurteilbar. Darauf können Therapiekonzepte und Behandlungen der Nierenfunktionsstörung aufgebaut werden.

Einsatzgebiete:

Nierenfunktionsstörung jeglicher Art
Schrumpfnieren, Nierenversagen
nach Nierenoperationen
z. B. Nierenimplantationen, Nierenentfernung bei Nierentumoren
Nierendurchblutungsstörung (Nierengefäßverengung)
Harnabflußstörung
angeborene Nierenerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern

Untersuchungsablauf:

Vor der Untersuchung ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. So muß der Patient 20–30 Minuten vorher 0,5 – 1l trinken und unmittelbar vor der Untersuchung die Harnblase entleeren. Danach wird der Patient auf der Untersuchungsliege gelagert. Zeitgleich mit der Spritze in eine Armvene wird die Untersuchung gestartet. Bei einer Untersuchungsdauer von 30 Minuten muß der Patient ruhig liegen. Während dieser Zeit machen wir in bestimmten Abständen Aufnahmen, so dass die Durchblutung, Anreicherung und Ausscheidung des gespritzten Präparates in den Nieren beurteilt werden kann. In der 20. und 24. Minute wird dem Patienten Blut abgenommen. Im Blut kann nachgemessen werden, wie viel der gespritzten Substanz bereits von den Nieren „ausgewaschen“ wurde.
Wenn eine Harnabflußstörung besteht, wird im Anschluß an die 30 Minuten ein harntreibendes Medikament gespritzt und nochmals eine Aufnahme von ca. 20 Minuten angefertigt. Im Anschluß an die Untersuchung werden die Bilder ausgewertet und Funktionskurven von den Nieren erstellt. So kann der Arzt jede Niere einzeln beurteilen, und auch Auskunft über die Gesamtfunktion der Nieren geben.


Lungenperfusionsszintigraphie

Das Lungenszintigramm zeigt eine Momentaufnahme der Lungendurchblutung. Eine Perfusionsszintigraphie ist die bildhafte Aufzeichnung des Blutflusses aus der rechten Herzkammer in die Lungenarterien und der Blutverteilung innerhalb der Lungen. Möglich wird die Untersuchung durch Einbringen einer radioaktiven Substanz in die Blutbahn der Lunge. Hiermit können die Bereiche aufgespürt werden, in denen die Lungenfunktion gestört ist.

Einsatzgebiete:

Verdacht auf Lungenembolie
Feststellen der Lage einer Lungenembolie

Untersuchungsablauf:

In liegender Position werden dem Patient markierte Eiweißteilchen in eine Vene gespritzt. Die Eiweißteilchen sind so groß, dass sie einzelne der kleinen Arterien (Arteriolen) und Haargefäße in der Lunge nicht passieren können. Sie setzen sich dort vorübergehend fest und senden Strahlung aus, die mit einer speziellen Kamera als Bild wiedergegeben wird. Es werden 6-8 Bilder aus verschiedenen Richtungen aufgenommen.



u